Eltern sind für die Hochzeit wichtig

Ein Blick hinter die Kulissen

Brautpaarcoaching, dass die Ehe hält

Überall liest Du, der Hochzeitstag ist der schönste Tag im Leben – alle sind glücklich. Die Bilder sprechen für sich. Was ist aber hinter den Kulissen los? Sind da wirklich alle in unendlicher Harmonie glückselig? Eigentlich spricht und schreibt man darüber nicht. Das Bild soll ja nicht getrübt werden. Heute möchte ich mal einen Blick hinter diese Kulissen werfen.

Wenn ich ein Brautpaar zu seinem großen Tag begleite, die Trauung halte, möchte ich auch, dass die Ehe hält. Du hast ja bestimmt schon gelesen, wie intensiv unsere Vorbereitungszeit ist. Nebenbei bemerkt: Von meinen knapp 300 Paaren, die ich bis jetzt begleiten durfte, weiß ich von drei Scheidungen. Ich finde, das ist ein sehr guter Schnitt.
Warum ist das so? Hier kommt meine Erfahrung als systemische Therapeutin ins Spiel. In der Vorbereitungszeit schaue ich, dass möglichst viele Störfaktoren für eure Zukunft als Ehepaar bearbeitet werden.

Ein mehr als großer Störfaktor kann Unfriede in und mit deiner Herkunftsfamilie sein. Wir sind Menschen und bei jedem "menschelt" es. Zwei der Hauptthemen, die mir immer wieder begegnen, sind unglücklich geschiedene Eltern, oder es bestehen Eltern-Kind-Konflikte bis hin zur Kontaktsperre. Daraus entstehen zwei Fragen:
Was mache ich mit meinen geschiedenen Eltern?
Soll ich ohne meine Eltern heiraten?

Deine (unglücklich) geschiedenen Eltern
Ab und zu habe ich schon erlebt, dass die gesamte Familie mit Mord und Totschlag am Hochzeitstag gerechnet hat, weil die geschiedenen Eltern aufeinander treffen. Es hätte auch nichts gebracht, sie möglichst weeeeiiiit auseinander zu platzieren.
… passiert ist nichts. Im Gegenteil: Vater und Mutter saßen einträchtig mit ihrem Sohn / ihrer Tochter zusammen an einem Tisch – sogar mit den neuen Lebenspartnern.

„Ich habe mit dem Schlimmsten gerechnet. Nun bin ich richtig glücklich, dass meine Patentochter eine solch harmonische Hochzeit feiern kann. Das ist Ihr Verdienst.“ So und so ähnlich wurde ich schon öfter am Abend verabschiedet.

Du denkst dir gerade, das kann ich mir bei meinen Eltern nicht vorstellen? Das konnte sich der Bräutigam / die Braut damals auch nicht vorstellen. Er / Sie überlegte sogar, einen Elternteil gar nicht einzuladen, war sich allerdings nicht schlüssig wen, da er / sie zu beiden ein gutes Verhältnis hatte.

Du fragst dich, wie das ging? Das Zauberwort heißt Eltern, Vater & Mutter. Der Konflikt ist auf der Ebene der beiden ehemaligen Eheleute. Da gehört er auch hin. Er gehört NICHT zu dir. Beide sind auf der Hochzeit als dein Vater und als deine Mutter. Das ist die Ebene, auf der sie sich begegnen können. Als Vater & Mutter saßen sie bei den jeweiligen Feiern zusammen. Vielleicht hat es den beiden auch geholfen, sich miteinander ein wenig zu versöhnen. Es wäre schön. Dies hat nämlich auch sehr positive Einflüsse auf ihre eigene (Ehe-)Leben.

Dass das nicht immer einfach ist, ist auch klar. Ich sehe es als Teil meiner Arbeit mit euch, dich zu unterstützen, mit diesem Thema gut für dich selber umzugehen.

Ohne Eltern heiraten, weil Du nur einen belasteten oder gar keinen Kontakt zu ihnen hast?
Ist auch keine Lösung. Jeder Mensch trägt auf körperlicher Ebene 50 % Vater – 50 % Mutter in seinen Genen und darüber hinaus bist Du zu 50 % Vater – zu 50 % Mutter. Einen Teil davon abzulehnen, heißt auch, dich selber zur Hälfte abzulehnen. Das passiert auf der unbewussten Ebene. Alles, was unterschwellig abläuft, beeinflusst einen Menschen sehr stark in seinen Handlungen. In der Psychotherapie spricht man auch vom Schatten. Er liegt im Dunkeln und wirkt im Verborgenen. Er möchte aber heraus. So findet eine Übertragung auf die Umgebung statt. Kämpfe, Konflikte werden plötzlich auf „Spielwiesen“ ausgefochten, wo sie überhaupt nicht hingehören – meist beim Partner.
In Zeiten, wo in der Partnerschaft alles gut ist, taucht dieser Schatten gar nicht auf. Dann gibt es wieder Abschnitte, wo eben nicht alles rund läuft. Und plötzlich sind alte Muster da, die mit dem Ehepartner gar nichts zu tun haben. Dein Partner ist zu Recht zusätzlich verletzt. Er kann ja schließlich nichts für deinen Umgang mit eurem Konflikt.

Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass es nicht viel braucht, sich mit seinen Eltern auszusöhnen - außer, dass Du es auch möchtest. In der Versöhnung mit deinen Eltern geht es nicht nur um dich. Es geht auch um eure zukünftigen Kinder. Die Konsequenz deiner "Funkstille" wäre auch, dass sie ohne die Großeltern von deiner Seite aufwachsen. Auch ihnen würde ein Teil fehlen, und das wäre doch schade.

In der Trauungsvorbereitung können wir gerne in diese dunkle Ecke schauen. Miteinander bringen wir Licht ins Dunkel. Ich bin mir sicher, dass dieser Tag mit deinen Eltern für dich noch viel schöner wird.

 

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